Autorenwoche # 2 – Mit kleinen Schritten zum Erfolg?

Dieser Beitrag sollte schon am Samstag online gehen, aber tatsächlich schreibe ich ihn erst heute. Natürlich könnte ich mich jetzt dafür entschuldigen, aber mal ganz ehrlich … warum sollte ich? Mein Privatleben ist im Augenblick der Horror, das Wochenende war eine Katastrophe und diese ganze Situation belastet mich so stark, dass ich jeden Tag schon eine Party schmeißen könnte, nur weil ich es geschafft habe, aufzustehn. Also … sollte ich mich dafür entschuldigen, dass ein Mensch, den ich liebe, schwer krank ist? Oder dafür, dass mir die Sache so nahe geht? Nein. Und das werde ich auch nicht. Stattdessen nutze ich den Moment, um mich an die guten Dinge zu erinnern, die mir in den letzten Wochen die Tage versüßt haben und zu reflektieren, was ich tun kann, um meine Projekte weiter voran zu treiben.

Kleine Erdbeben:

Wahrscheinlich könnte ich mich jede Woche, sogar jeden Tag, an den Schreibtisch setzen, um mir eine To-Do-Liste und einen Projektplan zu schreiben, dabei weiß ich: Es kommt immer etwas dazwischen. Nach über zwei Jahren, in denen ich mich dem Schreiben in Vollzeit widme, kann ich das durchaus aus Erfahrung sagen. Meistens wirft mich das total aus der Bahn und durch meine aktuelle Situation muss ich sowieso ein wenig umdenken, aber manchmal hilft so ein kleines Erdbeben auch dabei, den Kopf wieder frei zu bekommen.

So auch Ende Januar. Kurz bevor mich You & Me – Zwischen Vertrauen und Argwohn völlig in den Wahnsinn getrieben hat, kam ein Gespräch mit einer lieben Kollegin dazwischen. Zum einen habe ich gemerkt, dass ich im Augenblick nicht die Einzige bin, die beim Schreiben blockiert ist. Zum anderen hat sie mit wenigen Worten meine Welt ins Chaos gestürzt. Im positiven Sinne … Und dann ist mir noch etwas klar geworden: Ich kann mich nicht nur auf meine Projekte konzentrieren.

Planung und Organisation:

Aber wieso eigentlich nicht? Meine Projekte sind immerhin verdammt wichtig, weshalb sollte ich mich noch mit etwas anderem beschäftigen? Tja, vielleicht weil mein Tag im Augenblick ungefähr so aussieht:

  • 06:00 Uhr – Aufstehen und Morgenroutine
  • 07:00 Uhr – Ran an den PC, Dokument öffnen, Playlist starten und ins Projekt eintauchen (um besser schreiben zu können und Produktiver zu sein, bleibt das Internet aus)
  • 12:00 Uhr – Jetzt klingelt mein Handy, um mich an die Mittagspause zu erinnern, die ich aber entweder immer vor mir herschiebe oder innerhalb von 15 Minuten irgendetwas kleines Esse (geplant ist eigentlich eine Stunde für mich … ._.)
  • 13:00 Uhr – (oder eben sobald ich mit dem Essen fertig bin) Blogbeitrag / Newsletter / Mails schreiben, Social Media und der ganze organisatorische Kram (manchmal ist diese Zeit auch für Projekte meiner Kollegen reserviert oder ich komme meinem neuen Nebenjob nach, alles andere kommt im Moment zu kurz *hüstel*)
  • 15:00 Uhr – Wenn ich bisher nichts gegessen habe, hole ich das spätestens jetzt nach, denn mein Blutzuckerspiegel lässt nichts anderes zu. Normalerweise setze ich mich aber hin und plane das, was ich am nächsten Tag schreiben will noch einmal im Detail und überlege, wie es weitergehen könnte. Manchmal arbeite ich auch an grafischen Projekten oder überarbeite, je nachdem, was eben so anfällt.
  • 18:00 Uhr – Haushalt
  • 19:00 Uhr – Mein Mann ist von der Arbeit zurück und wir essen zusammen, plaudern über unseren Tag und diskutieren Probleme. Im Moment natürlich nur ein Thema
  • 21:00 Uhr – Abendroutine und danach ins Bett

Leider bleibt da überhaupt keine Zeit mehr für mich selbst oder meine Hobbys. Oft bin ich viel zu erschöpft, um zu lesen oder etwas anderes zu machen, aber wirklich entspannen kann ich mich auch nicht. Und das macht sich natürlich bemerktbar.

Grund dafür ist, da ich zwar alles organisiere, nur stehen auf meiner täglichen To-Do-Liste nur Dinge, die für meine Arbeit und meine Projekte relevant sind und sonst nichts. Mein Gehirn nimmt eben nur das wahr, was dort steht und wenn ich vergesse Mittagspause in den Kalender zu schreiben, kann es schon mal vorkommen, das mein Mann nach Hause kommt und ich erst dann merke, dass ich kurz vor einem Zusammenbruch stehe, weil ich keine Zeit hatte, um auch nur ein einziges Mal durchzuatmen.

Vielleicht bin ich deshalb so zerrissen: Einerseits sind wir schon mitten im Februar und ich weiß nicht, wo die ersten Wochen des Jahres hin sind, aber andererseits kommt es mir schon so vor, als wäre November (rein von meiner Leistungskurve gesehen). Ich fühle mich total ausgebrannt, obwohl das Schreiben im Moment wirklich super läuft (am 03.02. war mein Jahreswordcount bei über 70.000 Wörtern). Nur ist das eben nicht das einzige was im Moment zählt. Zumal meine Wochenenden ja auch keine Erholung mehr bringen.

 

Dunkle Schatten ziehen auf:

Ich sollte mich wirklich nicht beschweren, immerhin bin ich nicht diejenige, die jeden Tag ein Familienmitglied pflegt, sondern kümmere mich nur am Sonntag (zumindest bis März, ab da habe ich dann mehrere Tage Schicht), aber allein das ist schon sehr schwer. Stellt euch vor, ihr seht einem geliebten Menschen langsam abstürzen und könnt nichts tun, um zu helfen. Inzwischen kann ich kaum noch schlafen, weil mich Horrorvisionen plagen. In diesem Sinne ist es ganz gut, dass ich so viel arbeite, da habe ich wenigstens keine Zeit, um nachzudenken. Und trotzdem sitze ich dann plötzlich am Schreibtisch und suche nach Hilfsdiensten und Pflegemaßnahmen, immerhin muss ich mich ja auch über die Krankheit informieren …

Ganz besonders schlimm ist es ja auch, weil es nicht nur um eine Form von Demenz geht, deren Symptome ich nicht mal mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht hätte, sondern auch um andere Dinge, wie die Einnahme von lebenswichtigen Medikamenten, die überwacht werden müssen, da sie es selbst nicht mehr kann.

Es fällt mir schon schwer, nicht vor ihr die Fassung zu verlieren und in Tränen auszubrechen.

Etwas Zeit nur für mich:

Und um weiter zu funktionieren, arbeiten zu können und den Alltag auf die Reihe zu bekommen, ist es deshalb umso wichtiger, dass ihr mir mehr Zeit für mich selbst nehme. Wie ich das hinbekommen soll, weiß ich noch nicht so ganz, wahrscheinlich mache ich eine Me-Time-Liste, wo ich mir nur Dinge aufschreibe, die mich entspannen und zur Ruhe kommen lassen (da muss ich auch erst einmal etwas finden …), damit sich dieser Druck nicht weiter aufbaut. Wenn ich wieder im Krankenhaus lande ist damit keinem geholfen, weder meinen Projekten noch meiner Familie.

Aber es ist schwer, abzuschalten, wenn mir tausend Dinge im Kopf herumschwirren, die noch erledigt werden sollten …

Meine Projekte

Meine Newsletter Abonnenten wissen es schon: You & Me – Zwischen Vertrauen und Argwohn ist momentan auf Eis gelegt. Zum einen, weil sich ein anderes Projekt in den Vordergrund gerückt hat und praktisch sogar angefragt wurde, zum anderen, weil ich mich unglaublich schwer mit dieser Geschichte tue. Das letzten Mal hatte ich das im Sommer 2017, als ich bei Projekt K.o. stecken geblieben bin. Damals lag es am Thema, das mich einfach zu sehr aufgewühlt hat, woran es dieses Mal liegt kann ich wirklich nicht sagen.

Umso erstaunlicher war es jedoch, wie leicht mir der Einstieg in eines meiner Fantasy Projekte (DaK) fiel. Aktuell bin ich bei etwas über 31.000 Wörter und komme jeden Tag gut voran. Dennoch habe ich das Gefühl, nicht genug zu schaffen. Vielleicht, weil ich ab März nicht mehr so viel Zeit für meine Projekte haben werde (und das, wo ich doch heute Morgen beschlossen habe, zur LBM zu fahren, was nun natürlich auch nicht sicher ist), jedenfalls zieht sich alles so hin. Als könne ich nur ganz kleine Schritte machen, die ich kaum sehen kann. Eigentlich bin ich ja ein Mensch, der sich auch über kleine Dinge und Erfolge freuen kann, doch 2018 wird ein so verdammt schweres Jahr, dass ich schon jetzt kaum noch Land sehe …

Zitat der Woche

Um mich herum tobt ein Meer aus Flammen. Rauch lässt meine Augen tränen und brennt in meiner Nase, Schreie hallen in meinen Ohren, während Schüssen die Luft zerreißen. Wo ich auch hinsehe, blicken mir nur Tod und Verderben entgegen. Zwischen den Bäumen liegen Leichen, Blut sickert in die Erde und Kinder rufen verzweifelt nach ihren Eltern. Es herrschen Hektik und Chaos, bei dem Versuch das Lager abzubauen und gleichzeitig dem Angriff standzuhalten. Die Welt löst sich auf, fällt in sich zusammen und wird von dem allgegenwärtigen Krieg verschlungen. Einem Krieg, der seit unzähligen Perioden unser Land zerstört und die Völker entzweit.

Wenige Schritte von mir entfernt erkenne ich Caylin, deren schwarze Augen vor Angst weitaufgerissen sind und die verzweifelt versucht, ihren vierjährigen Sohn zu beschützen, aber die Soldaten der Menschen scheinen einfach überall zu sein. Sie haben Hyra umzingelt, ohne das wir etwas von ihrer Anwesenheit gespürt haben. (Projekt DaK)

Eure Jenny

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