Hinter den Kulissen: Rückschläge und Änderungen

Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin (und das ist fast immer der Fall, denn sich selbst etwas vorzumachen bringt ja wohl gar nichts), dann wusste ich schon nach der ersten Januarwoche, dass ich nicht mehr auf Kurs bin und je mehr Tage verstreichen, umso deutlicher wird es. Hier sollte jetzt eine Rezension stehen. Oder etwa nicht? Ja, eigentlich schon. Es steht so in meinem Blogplaner und an den wollte / sollte / müsste ich mich halten, aber wie so oft kam etwas dazwischen. Schon am Wochenende habe ich wieder diesen Druck verspürt, der immer dann auftaucht, wenn ich das, was ich mir vorgenommen habe, nicht schaffe. Dazu noch mein schlechtes Gewissen, weil ich mit allem hinterher hänge. Also hatte ich meine aktuelle Lektüre immer dabei, doch aufgeschlagen habe ich sie nicht. Deshalb gibt es heute einen etwas anderen Einblick in meinen Alltag. Ich erzähle euch ein wenig über Änderungen und Rückschläge und wie ich damit umgehe …

Große Pläne

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gern plane. Ich schreibe alles auf, was ich machen muss / will, um einen Überblick zu haben und damit mir nicht alles über den Kopf wächst. Doch sobald etwas auf meiner Liste zurückbleibt, wird ein Prozess in Gang gesetzt, der mich in eine Abwärtsspirale reißt. Im ersten Moment denke ich mir: Dann erledige ich das eben am nächsten Tag. Nur leider ist der aber auch schon verplant, also stapeln sich die Aufgaben irgendwann. Danach folgt dieser merkwürdige Druck, der mich so oft quält und dem ich bisher immer nur eines entgegengesetzt habe: Flucht. Und so kommt es, dass ich, trotz To-Do-Liste und detailierten Plänen, ständig da lande, wo ich nicht hin will.

Das Gefühl, mein Leben nicht auf die Reihe zu bekommen, ist niederschmetternd. Ebenso wie meine Angst davor, nichts mehr auf die Reihe zu bekommen. Denn diese Angst ist es, die schließlich dazu führt, dass ich erstarre und keinen Finger mehr rühren kann. Es ist ein Teufelskreis, der mich immer wieder erwischt und aus dem ich nur schwer ausbrechen kann. Vor allem ist diese Angst aber irrational, denn wenn ich eine Aufgabe nicht schaffe, kommt es ja nicht zum Weltuntergang. Es fühlt sich nur leider so an. Wie versagen. Als wäre ich der einzige Mensch auf Erden, der es nicht hinbekommt das zu schaffen, was er sich in seinen Kalender geschrieben hat.

Habe ich mir zu viel vorgenommen?

Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Ja!

Allein die Tatsache, dass ich sieben Projekte auf meiner Liste stehen habe, die alle geplant, geschrieben und überarbeitet werden wollen, ist schon ein riesiger Berg, der unüberwindbar erscheint. Dann die 52 Bücher, die ich mir für 2018 vorgenommen habe. Meine Gesundheit, an der ich arbeiten wollte und der Kampf gegen einige meiner Schwächen. Ich habe mir zu viel aufgebürdet und schon in den ersten Wochen scheint mir alles zu entgleiten. Dabei hätte ich alles schaffen können, hätte sogar Luft nach oben gehabt. Allerdings habe ich so früh im Jahr nicht mit Rückschlägen gerechnet. Und ich habe auch nicht bedacht, dass ich nicht rund um die Uhr 100% geben kann, auch wenn ich das gern würde …

Angefangen bei den Startschwierigkeiten, gegen die ich zum ersten Mal gekämpft habe, bis zu der Tatsache, dass sich schon jetzt große und kleine Probleme anhäufen. Noch nie hatte ich schon im Januar das Gefühl, mir würde alles über den Kopf wachsen. Liegt wohl daran, dass wir unseren geplanten Urlaub (den Wochenendtrip) absagen mussten. Aber zwischen familären Krisen, finanziellen Sorgen und gesundheitlichen Schwankungen war einfach kein Platz, um die Seele baumeln zu lassen. Und es hätte auch nicht geholfen. Gegen diese Art von Anspannung hilft gar nichts, weil ich einfach nicht abschalten kann, ganz egal wo ich bin oder was ich mache. Meine Gedanken drehen sich nur um die Dinge, die mich belasten und kehren immer wieder dahin zurück.

Aber wie soll ich zwischen all dem noch genügend Kraft aufbringen, um mich meinen Projekten, meinen Zielen zu widmen? Wenn die Tage schon Anfang des Jahres aus Kämpfen bestehen, ist das kein gutes Zeichen. Wie wird es dann erst die restlichen Monate sein? Lohnt es sich überhaupt noch, daran festzuhalten? Weiter zu machen? Es ist wie ein Krieg gegen mich selbst und das raubt mir jede Energie. Im Moment kann ich kaum Schlafen und habe nur wenig Appetit, was auch bedeutet, dass mein Körper sich nicht erholen kann.

Was belastet mich?

Einem Menschen, der mir unendlich wichtig ist, geht es gesundheitlich nicht gut. Natürlich mache ich mir da Sorgen, kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Und ich habe Angst. Angst davor, diese Person zu verlieren. Seit 2010 leide ich unter extremer Verlustangst. Ich habe den Tod eines geliebten Menschen nicht besonders gut verkraftet. Ab da fing alles an immer schwerer zu werden. Anfangs habe ich nicht einmal gemerkt, wie stark ich mich verändert habe, weil es eich schleichender Prozess war. Das auffälligste war wohl, dass ich nicht mehr geschrieben habe, es einfach nicht mehr konnte. Ich habe alles hinterfragt, nichts hatte mehr einen Sinn. Schicksalsschläge sind immer hart, für jeden, aber was danach mit mir passiert ist, würde ich gern rückgängig machen.

Jetzt bin ich ein zwanghafter Mensch, der alles unter Kontrolle haben muss. Ich kann nicht mehr einfach in den Tag leben und die Dinge auf mich zukommen lassen, weil ich mich niemals mehr so hilflos fühlen will wie damals. Und deshalb wirft mich schon eine Kleinigkeit aus der Bahn.

Wenn unser Telefon oder mein Handy klingelt, bekomme ich sofort Panik. Vor acht Jahren bin ich jedes Mal zusammengezuckt und habe Schweißausbrüche bekommen, weil es bei jedem Telefonklingeln eine schlechte Nachricht gab. Und noch heute verbinde ich einen Anruf mit Hiobsbotschaften, bin jedes Mal angespannt.

Aber … ich kann doch nicht ständig Angst haben! Das ist kein Leben mehr, wenn man ständig irgendetwas Schreckliches erwartet.

Flucht oder Kampf?

Also flüchte ich. Ich tue Dinge, bei denen ich mich berieseln lassen kann. Serien anschauen, zocken. Hauptsache ich denke nicht nach. Darunter leiden natürlich andere Bereiche meines Lebens. Es fällt mir unendlich schwer in eine romantische Liebesgeschichte oder in fantastische Welten abzutauchen, wenn mein Gehirn ständig Probleme wälzt. Ich kann mich nicht richtig auf die Bücher einlassen. Und noch weniger auf meine eigenen Projekte. In diesen Phasen ist es schon schwer genug, überhaupt etwas sinnvolles zu tun, weil ich meine gesamte Kraft dafür brauche, um gegen die Panik und den Druck zu bestehen, die immer größer werden. Sie wachsen so lange weiter, bis ich irgendwann gar nichts mehr fühle als Leere. Das große Nichts. Um ehrlich zu sein, ist das noch schlimmer als sich meinen Ängsten zu stellen. Denn dieses Nichts kann mich mit Haut und Haaren verschlingen und wenn es mich wieder ausspuckt, dann erst wenn ich gebrochen bin.

Der Weg des geringsten Widerstandes

Flucht ist so viel einfacher, als sich immer wieder in einen Kampf zu werfen, der niemals endet. Es gibt Dinge, denen kann man nicht entkommen, egal wie sehr man es versucht. Und wenn das Problem in der eigenen Persönlichkeit liegt, wird es umso schwerer. Manchmal fühle ich mich, als würden in mir zwei Seiten miteinander kämpfen. Die kleine Jenny, die noch immer ein Kind ist und sich schon freut, wenn die Sonne scheint. Die so gern das Spiel der Sonnenstrahlen beobachtet und wie sie Wasser zum funkeln bringen. Die in allem etwas Positives sieht. Und dann ist da mein dunkles, düsteres Ich, dass versucht, sich selbst zu sabotieren, und immer wieder herauskommt, wenn ich glücklich bin.

Es liegt auf der Lauer und wartet nur darauf hinter einer Ecke hervorzukommen und mich in den Abgrund zu stürzen. Es freut sich, wenn ich gegen Rückschläge kämpfe und zieht sich nur ungern zurück. Es ist böse. Aber nicht anderen gegenüber, sondern nur mir selbst. Wenn Autoren schreiben, kämpfen sie gegen den inneren Kritiker. Nur meine ist eben immer da und kritisiert nicht nur die Worte, die ich tippe, sondern jede meiner Handlungen.

Immer wieder versuche ich wegzulaufen, mich abzulenken, doch das ist keine dauerhafte Lösung. Ich weiß das alles selbst, nur manchmal muss ich es mir bewusst machen, um nicht aufzugeben. Sich an etwas zu erinnern, wenn ich am Boden liege ist aber nicht besonders leicht. Noch schwerer ist es, sich aufzurappeln und weiter zu machen. Manchmal dauert eine solches Tief Wochen oder Monate, manchmal nur ein paar Tage. Das kommt immer ganz auf die Umstände an. Aber immer führt es mich zum selben Ergebnis:

Der ewige Kampf

Flucht ist so viel einfacher, aber zu kämpfen ist eine Herausforderung. Ich könnte mich einfach meinen Rückschlägen ergeben, die Segel streichen. Und doch stehe ich immer wieder auf, ohne zu wissen warum. Oder … eigentlich weiß ich es doch: Weil ich glücklich sein will. Vielleicht auch, weil ich Herausforderungen mag.  Ganz sicher aber, weil ich dieses kleine Mädchen liebe, das immer unbeschwert ist. Ich kämpfe, um es zu beschützen und um meine Träume wahr zu machen. Und weil es Menschen gibt, die an mich glauben. Immer dann, wenn ich es nicht kann.

Wie gehe ich mit Rückschlagen um?

Kennt ihr die fünf Phasen der Trauer? Die kann man auch in diesem Beispiel sehr gut anwenden!

  • Leugnung: Am Anfang wollte ich es nicht wahrhaben. Ich habe gespürt, dass etwas nicht stimmt, aber ich habe es einfach ignoriert in der Hoffnung, alles würde sich von selbst lösen. Was natürlich nicht geschehen ist …
  • Zorn: Danach war ich wütend. Verdammt wütend sogar. Vorwiegend auf mich selbst, weil ich es einfach nicht geschafft habe, gut ins neue Jahr zu starten. Wütend auf das Leben, weil es mich immer wieder aus der Bahn wirft und diesem verdammten Abgrund näher bringt.
  • Verhandlung: In dieser Phase bin ich jeden Morgen aufgestanden und habe mir gesagt, wenn ich X schaffe, kann es ja nicht so schlimm sein. Und wenn ich Y mache, wird es vielleicht wieder. Ich muss nur die Zähne zusammenbeißen …
  • Depression: Als das nicht funktioniert hat, stand ich schon so nah am Abgrund, dass ein Fall nicht mehr zu vermeiden war. Über mir ist alles zusammengebrochen und ich konnte nicht mehr. Ich wusste nicht, wie es weiter gehen soll, wie ich es schaffen sollte, überhaupt wieder herauszuklettern. Es erschien unmöglich.
  • Akzeptanz: Aktuell stehe ich genau hier. Ich weiß, einige Dinge laufen scheiße, aber es hilft auch nichts, weiter im dunklen Abgrund zu hocken, davon wird es nicht besser. Natürlich kann ich nicht alles ändern, was mich belastet, also muss ich wohl oder übel damit zurechtkommen. Nur hat es eben auch Klick gemacht. Denn bei gewissen Punkte habe ich sehr wohl die Möglichkeit etwas zu ändern! Rückschläge gehören dazu, dass heißt aber nicht, dass ich aufgebe!

Ich muss mich also auf den Hosenboden setzen und meine Ziele anpassen. So schwer es mir auch fällt und so ungern ich das schon im Januar machen will, es bringt ja nichts, so weiter zu machen wie bisher. Doch um etwas zu ändern, muss ich meine Prioritäten neu sortieren. Welche Projekte haben Vorrang? Welche meiner Ziele sind mir besonders wichtig. Das gilt es herauszufinden, damit ich wieder Luft nach oben habe und der verdammte Druck kleiner wird. Und während ich das tue, schreibe ich fleißig an #ProjektZVuA. Es sind kleine Schritte und vielleicht habe ich das Gefühl, überhaupt nicht voran zu kommen, doch das täuscht. In diesem Moment ist es wichtig, überhaupt etwas zu machen.

Was muss sich ändern?

Ich muss lernen, besser auf Rückschläge zu reagieren. Immerhin weiß ich, dass jeder damit zu kämpfen hat und sie immer da sein werden, also sollte ich mich auf sie einstellen. Sie dürfen mich nicht mehr so kalt erwischen wie es bisher der Fall ist. Und um das zu erreichen muss ich nicht nur meine Ziele anpassen und umstrukturieren, sondern auch meinen Alltag. Die Herausforderung liegt wohl darin, zu akzeptieren, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Eine Erkenntnis, die sehr hart für mich ist. Und eine Aufgabe, die mich extrem fordert, aber wenn ich sie bewältige, wird es mir besser gehen. Und das ist für 2018 ja mein oberstes Ziel.

Wie geht ihr mit Rückschlägen um? Was ändert ihr, wenn etwas nicht so klappt, wie ihr es geplant habt?

Eure Jenny

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