SuB – Ein Regal voller Abenteuer und Romantik 

 

Jede Leseratte und jeder Bücherwurm kennt diesen Begriff und viele ärgern sich auch damit herum. Nur wenige können sich mit ihm anfreunden, denn meist ist er einfach zu mächtig, setzt uns unter Druck und lockt unser schlechtes Gewissen hervor. Der SuB (Stapel ungelesener Bücher). Und genau darüber wollen wir uns heute unterhalten.

Mein SuB ist kein Stapel mehr, sondern ein ganzes Regal voll. So habe ich ihn immer im Blick, kann sehen wenn er schrumpft oder doch wächst. Ich habe das Gefühl die Kontrolle zu haben, obwohl ich mir das eigentlich nur einbilde. Mag ja sein, dass ich selbst entscheide, wie viele Bücher ich kaufe (oder wohl eher mein Kontostand), aber an einigen Tagen im Jahr bin es nicht ich, die in den Buchladen rennt oder auf den Kaufen-Button bei Amazon klickt. Denn dann verstecken sich die Buchschätze in Geschenkpapier oder unter dem Weihnachtsbaum und plötzlich wächst mein SuB, ohne dass ich auch nur einen Finger gekrümmt habe. Außerdem … machen wir uns doch nichts vor! Wir sehen ein Buch, das überall bei Instagram gezeigt wird oder von dem eine Freundin schwärmt und schon wollen wir es haben. Und zwar ganz unbedingt! Den SuB im Griff zu haben ist nur ein Trugschluss, glaubt mir!

Mein SuB

Ich habe schon in der Grundschule ein Buch nach dem anderen verschlungen, doch ich hatte niemals einen SuB. Nicht mal den Begriff kannte ich. Wenn ich Lust auf ein Buch hatte, habe ich es mir gekauft, es gelesen und dann ins Regal gestellt. Das änderte sich bei mir ungefähr 2008/2009. Da entdeckte ich Buchblogger und Booktuber und mein SuB wuchs. Erst waren es nur ganz zahme zehn Bücher, die sich auf meinem Nachttisch stapelten. Ganz harmlos, nicht der Rede wert. Aber dann bin ich irgendwie in diese Falle getappt. Gelesene Bücher pro Jahr, ein SuB von über 60? Ach, das klappt schon, ich verschlinge doch jedes Buch, das mir in die Finger kommt. Und irgendwie kamen dann beinahe jede Woche neue Bücher dazu, doch ich habe ja auch 2-3 gelesen, also war das kein Problem.

Im Oktober 2013 bin ich umgezogen, erste eigene Wohnung mit meinem Freund. Bücher in Kisten packen und schleppen. Und weil ich einen Knall habe und es keine Kisten gab, waren es Rollkoffer voller Bücher, die ich natürlich alle selbst getragen habe. Bloß nicht kippen, es könnte ja ein Buch beschädigt werden. Ich gehe jetzt mal nicht darauf ein, wie sehr ich Umzüge hasse … aber drei riesige Reisekoffer zu schleppen, das war für mich nicht gerade Zuckerschlecken. Und über die Hälfte davon war ungelesen, denn damals war mein SuB bei unglaublichen 177 Büchern.

Äh, entschuldige? Bitte was? Wie ist das passiert?

Challenges und SuB-Abbau

Die Zahl hat mir Angst gemacht, mich unterdrück gesetzt und mir den Schlaf geraubt. Als ich 2015 – nach einer langen Pause – wieder mit dem Schreiben begann, las ich weniger und plötzlich war mein SuB ein richtiges Problem. Und nicht zum ersten Mal beschäftigte ich mich plötzlich mit Methoden, um ihm an den Kragen zu gehen. Ziel war nicht die 0, sondern viel mehr eine erträglichere Zahl.

Lesechallenges

Also habe ich mich für verschiedene Lesechallenges angemeldet. Bücher nach Aufgaben zu lesen, eine Leseliste zu haben und genau zu wissen, dass der SuB schrumpft war ein wirklich gutes Gefühl. Aber es gab immer noch meine Wunschliste und ich kaufte immer noch. Und dann hatte ich keine Lust auf die Bücher, die ich mir für Monat X vorgenommen habe und alles geriet irgendwie durcheinander. Also brauchte ich eine neue Strategie.

Buchkaufverbot

Ein schlimmer Fehler war, mir selbst ein Buchkaufverbot aufzulegen. Denn wie das immer so ist bei Verboten, will man doch das, was man nicht darf ganz besonders gern. Aber ich habe einen eisernen Willen und mein Durchhaltevermögen ist auch nicht zu verachten. Also war es kein Problem mal 3 Monate kein Buch zu kaufen. Nur danach war meine Wunschliste riesig und ich durfte wieder kaufen, also schlug ich gnadenlos zu. Es war ein Teufelskreis, der sich bei mir drei mal wiederholte, bis ich diese Idee völlig aus meinem Kopf gestrichen habe. Das Buchkaufverbot mag bei anderen funktionieren, bei mir hat es versagt.

SuB-Abbau

Davon gibt es viele verschiedene Varianten, aber im Prinzip ist es auch nur eine Lesechallenge. Und mir hätte klar sein müssen, dass es nicht funktionieren wird. Aber ich bin eben hoffnungslos naiv … Bücher lesen, Punkte sammeln / Geld sparen. Das schien mir perfekt. Und ich habe auch wirklich viel gelesen, immerhin wollte ich mir ja auch neue Bücher kaufen können. Nur habe ich wieder nicht nach Lust und Laune gelesen, sondern nach einer Liste und so ging der Spaß ganz schnell verloren und damit auch meine Motivation. Byebye SuB-Abbau …

Der große, böse SuB

Es nahm also kein Ende. Dementsprechend sah irgendwann auch meine Laune aus und mein SuB wurde zum Feind. Das große, böse Etwas, das mich immer dazu ermahnt hat, weil ich nicht schnell genug gelesen habe oder wieder einmal Bücher gekauft habe. Also setzte ich mich hin und fragte mich bei jedem Buch: „Willst du das wirklich noch lesen?“ Und lautete die Antwort Nein, so machte sich ein kleines Paket zu einer Kollegin auf die Reise.

Ja, ich habe geschummelt, um meinen SuB kleiner zu machen, aber … Moment mal! Wenn ich genau weiß, dass ich ein Buch nicht lesen will, weshalb sollte ich mich durchquälen und mir den Spaß am Lesen nehmen? Das wäre doch totaler Schwachsinn! Und mein SuB war ja trotzdem noch groß. So konnte ich wieder Freude empfinden bei einer Sache, die ich schon liebe, seit ich ein Kind bin. Noch dazu habe ich jemand anderem eine Freude gemacht und auch das mag ich sehr. Hat etwas mit Karma und innerem Gleichgewicht zu tun, aber darüber reden wir vielleicht einmal später.

So habe ich es geschafft, schließlich unter 150 zu kommen. Und irgendwann dann auch unter 100. Aber es war immer noch viel und ich war noch nicht zufrieden. Ständig tippe ich bei Google SuB-Abbau ein, lese mir Artikel durch, in denen andere Bücherwürmer über ihren SuB berichten. Allerdings bin ich immer noch ich und was für manche Buchblogger funktioniert, ist halt einfach nichts für mich.

Was also tun?

 

Die Erkenntnis

Es hat Jahre gedauert, viele gescheiterte Versuche, um meinen SuB loszuwerden, bis ich endlich begriffen habe, was das Problem war. Nicht die Bücher in meinem Regal, die brav darauf warten, von mir gelesen zu werden. Sie werden warten, bis ich so weit bin und mich bis dahin mit ihren Geschichten locken. Ich war das Problem! Oder viel mehr meine Einstellung. Die Tatsache, dass immer wieder neue tolle Bücher erscheinen und mir vielleicht etwas entgehen könnte, hat Panik in mir ausgelöst. Außerdem habe ich mich zu sehr beeinflussen lassen und so dem Spaß an meiner liebsten Beschäftigung verloren.

Natürlich werde ich tolle Geschichten verpassen! Aber das habe ich schon längst. Wer weiß, welche Schätze ich verpasst habe, nur weil sie nicht so gehypt waren wie gewisse andere Bücher? Und wer weiß, was mir entgangen ist, nur weil ich gewisse Genre nicht lese. So ist das nun mal, ich kann nicht jedes Buch lesen, was je geschrieben wurde und das will ich auch gar nicht! Und ich will auch keinen Hypes hinterher rennen, um dann festzustellen, dass mir die Bücher gar nicht gefallen.

Ich musste also dringend da raus und mich wieder auf mein Gefühl verlassen. Auf mich selbst.

Zugegeben, meine Wunschliste umfasst über 600 Bücher, doch ich kaufe nicht mehr wie wild drauf los, nur weil irgendjemand ein Buch in den Himmel lobt. Ich lese mir den Klappentext vor, überlege was für eine Geschichte auf mich warten könnte und dann schnuppere ich in die Leseprobe. Sollte ich dann noch unsicher sein, frage ich herum, ob jemand es schon gelesen hat. Ich kaufe nicht mehr wahllos und ich genieße jedes einzelne Buch.

Ein Regal voller Abenteuer und Romantik

In meiner Wohnung gibt es ein Regal gefüllt mit Abenteuern und Romantik. Ein Regal voller Bücher, die nur darauf warten, von mir gelesen zu werden. Einige davon sind Schätze, viele bieten einfach ein paar schöne Stunden auf der Couch, in denen ich mich entspannen kann. Wahrscheinlich werden mir auch ein paar davon absolut nicht gefallen. Aber so ist es nun einmal. Der SuB ist nicht mein Feind, denn er besteht aus Geschichten, die mich verzaubern wollen, mir etwas Gutes tun wollen. Warum sollte ich mich davon unter Druck gesetzt fühlen? Nur, weil ich vielleicht nicht jedes Buch auf meiner Wunschliste lesen werde? Oder weil mir eine absolut geniale Geschichte entgehen könnte? Das ist doch vollkommener Irrsinn!

Ach … ja, da gab es noch einen Grund. Neuzugänge zeigen. Ob nun im Blog, in einem Video oder bei Instagram. Sonst habe ich ja irgendwann keine Bücher, die ich euch noch nicht gezeigt habe …

Tja, dann ist es eben so. Dann halte ich nur Bücher vor die Linse, die ihr eben schon kennt, davon geht die Welt doch auch nicht unter. Und ab und zu zieht ja doch ein neues Buch ein. Eines, auf das ich so richtig Lust habe. Das ich mir gekauft habe, weil ich es lesen will und nicht, weil ich damit ein tolles Foto machen kann oder es gerade ein Hype ist.

Warum lese ich?

Ich habe damit angefangen, um aus meinem Leben zu flüchten. Neue Welten zu erkunden oder mich von einer Geschichte gefangen nehmen zu lassen, das war immer ein wunderschönes Gefühl. Aufregend und beruhigend zu gleich. Bücher waren streckenweise die einzigen Freunde, die ich hatte und mit meinem Wahn habe ich beinahe die Magie des Lesens zerstört. Diese Magie, die damit anfängt, ein Buch aus dem Regal zu ziehen, liebevoll über den Einband zu streichen und an den Seiten zu schnuppern. Die Magie, die sich fortsetzt, sobald wir die ersten Wörter, die erste Seite lesen und die dann so richtig Fahrt aufnimmt und er lange endet, nachdem wir das Buch gelesen und wieder ins Regal gestellt haben. Bücher sind Magie. Sie haben die Kraft, uns etwas ganz Besonderes zu schenken. Wenn wir es zulassen.

Warum lese ich?

Doch nicht, weil ich eine Statistik präsentieren will oder ein hübsches Foto! Ich will verzaubert werden. Und dagegen habe ich mich lange Zeit gesperrt, indem ich meinen SuB als Feind betrachtet habe. Aber eigentlich ist er ein Freund, der mir wahnsinnig tolle Geschichten zu bieten hat. Nur musste ich das erst einmal begreifen.

Die Zukunft meines SuBs

Er darf ruhig wachsen, dagegen habe ich nichts. Nur explodieren soll er nie wieder, aber eben auch nicht verschwinden. Was würde ich denn machen, wenn ich immer nur mein aktuelles Buch hätte? Ständig in den Buchladen rennen, um mir ein Neues zu holen (oder eben beim Amazon auf den Kaufen-Button klicken) oder ihn auf eine ganz bestimmte Zahl begrenzen? Aber … warum? Ich habe jetzt ein ganzes Regal voller Abenteuer und Romantik, so viele tolle Geschichten, die auf mich warten. Unterschiedliche Genre, die mich locken. Ist das nicht wunderbar?

Und jetzt seid ihr dran!

Wie steht ihr zu eurem SuB? Schreibt es in die Kommentare!

Eure Jenny

    2 Kommentare

  1. Sarah 18. Januar 2018 at 17:31 Antworten

    Ich hatte immer einen kleinen SuB. Der war nie größer als 50. Ich werd schon von Buchfreunden veräppelt, weil sie es zum ersten Mal im Leben schaffen, einen SuB oder 40-50 Büchern zu haben und ich gerade mit stolzen 66 Büchern dastehe, obwohl ich immer groß rumtönte, dass mir 10 Bücher maximal ausreichen. Ähm ja. (zu viele gute Kindle-Deals und Sucht… pure Sucht)

    Aber mich stört es nicht. Ich habe gerade frisch aus meiner Leseflaute herausgefunden und auf jedes einzelne Buch so viel Lust, wie seit Jahren nicht mehr. Ich freue mich, dass sie da sind. Dass ich Lust habe, sie zu lesen. Vielleicht ist die Zahl deswegen auch so explodiert.

    Ich lese zwar deutlich weniger als noch vor drei, vier Jahren (da waren es gern mal 120 Bücher im Jahr), daher ist ein SuB von 66 Büchern echt gefährlich. Aber ich mach mir keinen Stress. Solang ich gern lese, ist das total okay für mich 🙂

    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Jenny 19. Januar 2018 at 08:11 Antworten

      Das mit der Sucht kenne ich nur zu gut. Ein Ausflug in den Buchladen endete immer damit, dass ich mich wie ein Packesel gefühlt habe, weil ich so viele Bücher nach Hause getragen habe. Und meine Familie war auch nicht besonders begeistert von den Bergen an Büchern, die ich mitgebracht habe. Aber … es ist ein schönes Gefühl, sich eine völlig andere Welt zu kaufen, um dann darin abtauchen zu können.

      Ja, ich freue mich auch schon auf die Bücher in meinem Regal, aber ich finde es schwer mich zwischen Zocken, Serien schauen und lesen zu entscheiden. Und wenn ich viel Stress habe, mache ich lieber etwas, wo ich meinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Vielleicht lese ich deshalb so selten. Während meiner letzten Schuljahre habe ich wirklich jede freie Minute zum Lesen genutzt. Jetzt bin ich froh, wenn ich mir den Samstag dafür freischaufeln kann.

      Ich hatte auch Jahre, da habe ich locker 1ß-12 Bücher im Monat gelesen. Jetzt bin ich froh, wenn es vier werden. Ich hoffe einfach, dass pendelt sich wieder ein, wenn mir bestimmte Dinge kein Kopfzerbrechen mehr bereiten. Für die Erkenntnis (Dass ich gern lese und das nicht mit Stress verbunden sein darf) habe ich viel zu lange gebraucht. Warum war ich nur so besessen? Vielleicht, weil alles, was ich mache irgendwann für mich zur Besessenheit wird. Ist fast schon ein Zwang …

      Liebe Grüße
      Jenny

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