Ally Taylor: New York Diaries – Claire

 

Die New York Diaries-Reihe liegt schon eine Weile vollständig in meinem Regal herum, aber die meiste Zeit in 2017 war mir einfach nicht nach Liebesromanen zumute. Aber jetzt habe ich euch nicht nur eine Leseliste präsentiert, sondern hatte auch Lust darauf, den ersten Band zu lesen. Bisher habe ich noch kein Buch von Anne Freytag oder unter ihrem Pseudonym Ally Taylor gelesen, aber ich war wirklich neugierig! Zumal man als Leser irgendwie auch gar nicht um die Serie herum kommt, die sich um die Bewohnerinnen des Knights Building, ein etwas heruntergekommenes Gebäude, dreht.

Würde ich behaupten, ohne jede Erwartung ein Buch zu öfnnen, um dann in die Seiten einzutauchen, wäre das glatt gelogen. Ich glaube, es ist gar nicht möglich, sich ein Buch zu kaufen und dann nichts zu erwarten! Als Leser will ich unterhalten werden, für einige Stunden meinen Alltag vergessen. Darum geht es doch, nicht wahr? Und das war meine Erwartung: Ein schöner Ausflug nach New York City.

Und genau das habe ich auch bekommen. Und dann noch so unendlich viel mehr!

Aufbau

Als Autorin, die selbst Liebesromane und Fantasygeschichten schreibt, weiß ich, dass es eigentlich nur recht wenige sogenannte „Masterplots“ gibt (20 um genau zu sein!) und man das Rad nicht neu erfinden kann. Ist meiner Meinung nach auch nicht nötig, aber zurück zum Thema: In diesem Genre gibt es den grundlegenden Aufbau: Frau trifft Mann, sie verlieben sich und kommen zusammen. Oder eben auch nicht. Dann gibt es natürlich noch verschiedene Versionen. Im Fall von New York Diaries – Claire wäre das wohl:

Achtung Spooler
Doch wie der Leser diesen Aufbau empfindet, hängt immer davon ab, was der Autor aus dem Plot macht. Und da kein Autor gleich ist, kannte ich vielleicht das Grundthema, aber nicht die Geschichte.

Idee

Hinter New York Diaries – Claire steht nicht nur ein einfacher Masterplot, denn wenn man der Geschichte Raum gibt, kann sie sich richtig entfalten und dann wird der Leser vom ersten Moment in einen wundervollen Roman gezogen. Die Idee der Reihe, die Bewohner eines einzelnen Gebäudes zu verfolgen finde ich einfach großartig, zumal auch das Knights Building selbst eine Geschichte zu erzählen hat. Wir erleben im ersten Band nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern die Reise einer Frau, die zu sich selbst findet. Es geht um Mut, um Träume, um Freundschaft. Und wer mich kennt, wer weiß, über was ich selbst schreibe, der ahnt schon, dass dieses Buch genau nach meinem Geschmack ist.

Charaktere

Claire Gerschwin ist die Protagonistin im ersten Teil der Reihe. Wir blicken ihr über die Schulter und aus der Ich-Perspektive erzählt sie uns aus ihrem Leben. So sind wir ihr ganz nah, können ihre Gefühle und Gedanken verfolgen und ab und zu in ihrem Tagebuch lesen. Wir haben hier einen Charakter, in den ich mich sofort einfühlen konnte, vom ersten Moment an war ich bei Claire und habe mit ihr gefiebert. Und ich habe mich in vielen ihrer Charakterzügen wiedererkannt, schwankte mit ihr zwischen Glück und Qual, wollte, dass sie ihr Happy End bekommt.

Danny Rayners ist Claires bester Freund. Die beiden kennen sich schon ewig und haben viel gemeinsam durchgemacht. Und auch ihn mochte ich von dem Moment an, als er auftauchte sofort. Mein inneres Fangirl verwandelte sich in ein kleines, sabberndes Etwas, wollte ihn ständig in den Arm nehmen (okay, vielleicht mehr als das), aber manchmal wollte ich ihn einfach nur schütteln und sagen: „Jetzt mach endlich!“ Und die ganze Zeit dachte ich, wie gern ich doch so einen besten Freund hätte.

Und dann hätte wir noch June Spector. Claires beste Freundin, die gern feiert und ihr Leben genießt. Sie bietet Claire ihren Wandschrank zum Wohnen an, ermuntert unsere Protagonistin, spielt aber auch „Gewissen“, wenn es sein muss. Und auch wenn ich June nicht ganz so nah war, ist sie doch eine gute Freundin!

Ach … da ist noch Cassy. Aber über Cassy reden wir besser nicht. Nicht nur, weil ich sie nicht mochte, sondern vor allem, weil sie Dannys „perfekte“ Freundin ist und ich sie gern jedes Mal geohrfeigt hätte, wenn sie den Mund aufgemacht hat …

Handlung

Nachdem ihre Beziehung zu Bruch geht, verlässt Claire London und kehrt wieder nach Hause zurück. Doch da sie nicht wieder in ihrem Kinderzimmer bei ihrem Eltern wohnen will, taucht sie unangemeldet bei June auf, die sich mit Danny eine Wohnung im Knights Building teilt. Sie zieht bei den beiden ein (um genauer zu sein in Junes Schrank), bis sie herausgefunden hat, wie es für sie weitergeht. Doch neben dem Gefühlschaos, dass bei Claire plötzlich herrscht, trifft sie auch noch ihre erste große Liebe wieder, hat Stress mit ihrer Mutter (noch so ein Charakter, den ich nicht besonders mochte und ein Grund mehr, um Claire zu mögen!) und braucht dringend einen Job. Und dann gibt es da auch noch diesen Traum, den sie seit dem College hat …

Die Geschichte von Claire hält viele schöne Momente für den Leser bereit, doch am berührendsten fand ich ihr Gespräch mit ihrem Bruder Josh gegen Ende des Buches. Nicht nur, weil ich auch diesem männlichen Charakter verfallen bin, sondern weil ich die Dynamik der Geschwister mochte. Diese Szene hat mich tatsächlich so berührt, dass mir die Tränen gekommen sind.

Wer jetzt wissen will, wovon Claire träumt, für wen ihr Herz schlägt und weshalb mich das Gespräch mit ihrem Bruder so umgehauen hat, der sollte unbedingt das Buch lesen! Es ist wirklich eine wundervolle Geschichte, die ich jedem empfehlen kann, aber vor allem jenen, die an sich zweifeln!

Schreibstil und Atmosphäre

Tagebucheintrag aus New York Diaries - ClaireIch mochte den klaren, direkten Schreibstil der Autorin. Ally Taylor hat es geschafft, mich nach New York zu entführen, sie hat die Stadt lebendig werden lassen und mich mit Claire als Protagonistin an die Geschichte gefesselt. Als war so lebendig vor meinen Augen, dass die Szenen abliefen, als würde ich mir einen Film ansehen. Dieses Buch hat mich nie verloren, nicht mal eine Sekunde. So eine schöner und gefühlvoller Liebesroman, in dem viel mehr steckt, als ich erwartet habe. Und ich freue mich schon darauf, zu der Reihe zurückzukehren und die nächste Story aus der Reihe zu lesen. Es gab knisternde Momente, Tränen, aber es wurde auch gelacht. Und ich war bei allem mittendrin. Durch den Stil der Autorin und diese schöne Atmosphäre war es, als wäre ich selbst ein Teil der Geschichte. Zusammen mit diesen tollen Charakteren.

Gefühle

New York Diaries – Claire hat mich einige Male erwischt. Die Wendungen, die die Geschichte genommen hat, die Augenblicke in denen Claire eine Erkenntnis getroffen hat oder von ihren Zweifeln geplagt wurde waren intensiv und auch von ihren Gefühlen wurde ich überrannt. Liebe, Freundschaft, Träume. All diese Themen kamen nicht zu kurz und jede einzelne Szene war wichtig und hat mich berührt. Der Protagonistin über die Schulter zu schauen und einen Teil ihres Lebens zu verfolgen, was wie die Geschichte einer Freundin zu hören. Es war schön und wahnsinnig gefühlvoll!

Fazit

Als ich begann New York Diaries – Claire zu lesen, wusste ich es noch nicht, doch danach hat mich die Erkenntnis wie ein Blitz getroffen: Ich habe dieses Buch gebraucht! Es hat mich daran erinnert, was Mut bedeutet und wie wichtig es ist, sich selbst und seine Träume nicht aufzugeben. Ja, es ist hart zu kämpfen, das zeigt auch diese Geschichte, doch es lohnt sich. Ob es nun um Freundschaft, Liebe oder unsere Zukunft geht, wenn wir etwas wirklich wollen, wenn wir bereit sind dafür hart zu arbeiten, dann sollten wir niemals aufgeben, auch wenn es mal schwer ist. Und genau diese Botschaft brauche ich ab und zu. Wenn ich euch neugierig machen konnte, dann schaut euch das Buch näher an! Ihr werdet es nicht bereuen.

Eure Jenny

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