Selfpublishing? Nein, danke!

Ich habe euch schon angekündigt, dass sich diese Kategorie ein wenig verändern wird. Neben der Autorenwoche, in der ich euch über meine aktuellen Projektfortschritte und meinem Alltag auf dem Laufenden halte , möchte ich jeden Monat auf ein bestimmtes Thema rund um meinen Autorenleben eingehen. Und als erstes gibt es einen Bericht über meine Erfahrungen zum Thema Selfpublishing und weshalb ich diese Erfahrung nur ungern wiederholen würde.

Allgemeine Gedanken zum Thema Selfpublishing

Versteht mich nicht falsch, Selfpublishing ist eine wunderbare Sache, um als Autor das Buch an die Leser zu bringen. Und gerade die Möglichkeit, alles – vom Cover bis hin zum Buchsatz – selbst bestimmen zu dürfen, ist verlockend. Ich sehe das Selfpublishing auch nicht als Notnagel für Autoren, die keinen Verlag gefunden haben. Viele Autoren, die ihre Bücher selbst herausbringen wollen gar nicht in einen Verlag, andere werden gerade durch ihre im Selfpublishing veröffentlichten Bücher von Lektoren und Verlegern entdeckt. Doch es sind für mich genau diese vielen Entscheidungsmöglichkeiten, die mich nach meiner ersten Veröffentlichung im SP-Bereich zurückscheuen lassen. Über den finanziellen Aspekt, um ein Buch selbst herauszubringen habe ich schon einmal auf einer anderen Seite geschrieben, doch darum soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen. Jeder Autor, der schon einmal selbst eines seiner Werke herausgebracht hat weiß, was Cover, Lektorat, Goodies, Marketing und all die anderen Dinge kosten, die hinter so einer Veröffentlichung stehen. Dazu kommen noch der Aufwand und das Gefühl, so schnell wie möglich nachlegen zu müssen, am besten alle 3-4 Monate. Immerhin warten ja die Leser.

Ich bewundere wirklich jeden Selfpublisher, ganz besonders Laura Newman, die beinahe jeden Schritt dieses Prozesses selbst macht, aber auch Autorinnen wie Sarah Saxx und Virgina Wolf. Diese Autorinnen verdienen einen riesigen Respekt für das, was sie leisten!

Aber kommen wir jetzt zu den Faktoren, weshalb Selfpublishing für mich so schwierig ist.

Zeit

Um ein Manuskript zwischen 100.000 und 130.000 Wörtern zu schreiben, brauche ich ungefähr 20 bis 45 Tage, das kommt immer ganz auf das Genre und die jeweiligen Projekte an. An sich ist das nicht viel und wenn es rein ums Schreiben ginge, hätte ich wirklich keine Probleme. Aber der Prozess „Buch schreiben“ beginnt ja leider nicht mit dem Schreiben und hört auch nicht damit auf. Zuerst gibt es eine Idee, die reifen will und ausgebaut werden muss, danach folgen Planung und Plot. Die Zeitspanne vom ersten Aufblitzen der Idee, bis ich sie auch wirklich umsetze ist unterschiedlich. Einige setze ich sofort um (wie bei #ProjektSL) andere müssen Monate oder gar Jahre warten. Doch sobald ich mich einem Projekt zuwende, brauche ich, wenn ich mich wirklich nur auf dieses eine Konzentriere, mindestens 1 Woche für die Ausarbeitung von Charakteren, Welt und Handlung (meist mehr!). Rechnen wir einfach mal mit Durchschnittswerten:

Wie ihr sehen könnt, bin ich echt langsam, was den ganzen Prozess angeht. Vor allem, weil bei der Überarbeitung so viel Zeit verstreicht. Allerdings beschäftige ich mich nebenbei auch noch mit anderen Projekten, weshalb ich immer so 6 Monate von Beginn der Planung bis zu „Könnte ich vielleicht veröffentlichen“ rechne. Betrachten wir mal die Zeit, die nur für die Prozesse Planung, Schreiben und Überarbeitung draufgehen: 6-12 Wochen. Klingt wirklich nach einem Traum, zu mal ich nebenbei andere Projekte planen und überarbeiten kann.

Der Druck

Das mit dem Zeitfaktor könnte ich vielleicht noch hinbekommen, wenn ich mehr deligiert und weniger selbst gemacht hätte. Buchsatz und Cover hätte ich getrost auslagern können, bei dem Rest die Schrauben anziehen und in den Turbo schlaten. Ist möglich, habe ich bei ‚ProjektSL gezeigt. Planung 2 Tage, Schreiben 20 Tage, 1. Überarbeitung 2 Tage, 2. Überarbeitung 4 Wochen (hätte ich schneller geschäfft, wäre es nicht Dezember gewesen und ich schon völlig ausgebrannt …). Das sind 2 Monate, in denen ich ein Buch „erschaffen“ könnte, doch nicht jedes Projekt lässt sich so leicht planen und schreiben wie dieses. Wogegen ich nichts machen kann ist dieser verdammte Druck!

Den Markt zu kennen was Cover und Handlung angeht gilt nicht nur für Autoren, die einen Verlag suchen, sondern auf im Selfpublishing. Hier ist es sogar viel wichtiger!

Den eigenen Ansprüchen genügen, was die Erwartungen angeht. Und das ist eine Sache, die ich noch nie wirklich gut hinbekommen habe …

Regelmäßige Veröffentlichungen gewährleisten können.

Und dann das Gefühl, dass alles zu viel wird. Dadurch bin ich gehemmt und schaffe am Ende gar nichts mehr. Und was, wenn ich krank werde, wie letztes Jahr? Rein körperlich war ich über 4 Wochen lang ausgeknockt, psychisch sogar noch länger. Und in dieser Zeit hat sich der Druck unaufhörlich gesteigert. Ich muss #ProjektZVuA fertig bekommen, es soll im März veröffentlicht werden … Dadurch habe ich mich nicht nur selbst kaputt gemacht, sondern war vollkommen blockiert.

Das Marketing

Im Grunde bin ich echt gut darin, anderen etwas zu verkaufen. Nicht nur, weil ich mich gut in Menschen hineinversetzen kann, sondern weil ich auch weiß, welche Knöpfe ich drücken müsste. Neurolinguistische Programmierung, den Wunsch erzeugen, dass der Kunde das Produkt unbedingt haben muss, geschickte Wortwahl. Auf all so etwas gilt es zu achten, für mich weder in der Theorie noch in der Praxis ein Problem, wären da nicht zwei Hindernisse.

Zum einen mein mangelndes Selbstvertrauen. Ich habe echt Probleme, frei vor Fremden zu reden, deshalb klappen meine Taktiken auch nur bei Menschen, die ich schon sehr gut kennen. Denn ein unsicherer Verkäufer ist kein gutes Verkaufsargument, nicht wahr? Das sollte im Internet wegfallen, klappt bei mir nur leider nicht.

Zweitens: Ich kann mich absolut nicht selbst vermarkten, weil das gegen meine Erziehung und moralischen Werte verstößt. Mir wurde beigebracht, dass Eigenlob stinkt und ich doch bitte bescheiden sein soll, selbst wenn ich etwas Außergewöhnliches geleistet habe.

Mir hat sogar eine Kollegin gesagt „Mensch, wäre das Marketing besser gewesen, hätte das Buch echt einschlagen können“ (Nicht ihre genauen Worte, aber die Botschaft dahinter)

Das weiß ich selbst. Aber mir viel es schon schwer zu sagen „Hallo Welt, ich habe ein Buch geschrieben!“ oder meinen Amazon Rang zu veröffentlichen. Mein bestes Ranking war übrigens #326, was für eine Debütautorin gar nicht mal so übel ist. Zumindest war ich da mal ganz kurz stolz und habe mich wie eine Irre gefreut.

Übrigens kleine Hintergrundgeschichte: Die Beziehung zwischen Alison und ihrer Mutter ist nicht einfach aus der Luft gegriffen. In diesem Part der Geschichte liegt ein Teil meines eigenen Lebens. Und ganz egal wie selbstbewusst ich zu anderen bin, es wird immer Menschen geben, die mich einschüchtern und zurückwerfen, weil sie mir ein Trauma verpasst haben. Deshalb habe ich das Buch geschrieben, um besser mit dieser Art Erinnerungen und Gefühlen umgehen zu können.

Was ich hätte schreiben sollen:

„You & Me – Zwischen Wahrheit und Lüge“ ist eine gefühlvolle Geschichte, in der es darum geht die eigenen Grenzen zu überwinden und sich gegen die Erwartungen seiner Familie zu stellen. Eine Geschichte, die sich um Freundschaft und eine zarte Liebe dreht, die langsam aufblüht. Ein Roman über tiefe Gefühle und der Suche nach der eigenen Identität. „

All diese Gründe haben dazu geführt, dass ich nie wieder ein Buch im Selfpublishing herausbringen möchte. Bei der You & Me-Reihe werde ich es wohl noch durchziehen, aber danach erhoffe ich mir, eine Agentur zu finden, die mich vertritt.

In den Kommentaren könnt ihr gern mit mir über das Thema Selfpublishing diskutieren! Wo seht ihr die Vor- und Nachteile von Selfpublishing? Wofür würdet ihr euch entscheiden?

Eure Jenny

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