Marc Elsberg: ZERO

 

ZERO lag bei uns unter dem Weihnachtsbaum und auch, wenn es nicht auf meiner Leseliste für Januar stand, musste ich es einfach zuerst lesen! Es ist schon eine Weile her, dass ich Black Out, den Debütroman des Autors, gelesen habe. Dennoch hat mich das Buch in den Bann gezogen und ich kann mich noch gut daran erinnern. Die Idee war faszinierend und beänstigend zugleich, das Spannungslevel dauerhaft hoch und die Atmosphäre entsponn sich aus einer Mischung aus drohendem Unheil, interessanten Fakten und dem Gedanken: Kann das wirklich passieren? Und wenn ja, was mach ich dann? Wie bereite ich mich vor?

„Willkommen in Paranioa!“ (Wer ZERO gelesen hat, wird den Witz verstehen)

Selten hat mich ein Buch noch Wochen nach dem Lesen so beschäftigt, wie Black Out und so hat sich für mich die Frage gestellt: Kann Marc Elsberg das noch toppen?

Aufbau

Im Prinzip ist das Schema, der grundlegende Aufbau, typische für diese Art von Genre. Ich würde die Bücher des Autors als Wissenschaftsthriller einordnen, wie auch Dan Brown sie schreibt, und doch haben wir hier ein ganz anderes Niveau. Zu Anfang passiert etwas: Der US Präsident wird von einer Online-Aktivistengruppe, die sich Zero (ähnlich Anonymous) nennt, vor laufender Kamera bloßgestellt. Wie das geht? Durch hochmoderne Drohnen, die zeigen, dass auch einer der mächtigsten Menschen der Welt, nicht vor Überwachung sicher ist. Und auf dieses Ereigniss müssen die Charaktere reagieren. Heruasfinden, wie es dazu kommen konnte und was dahinter steckt. Ziel ist natürlich das ganze Aufzulösen, doch bis dahin gibt es immer wieder unglaubliche Erkenntnisse und spannende Wendungen.

Idee

ZERO – Sie wissen, was du tust, vereint verschiedene Ideen zu einem großen Ganzes. Einerseits geht es um das Sammeln und Auswerten unserer Daten, wie es bei uns schon an der Tagesordnung ist, und den Umgang damit, andererseits geht der Autor noch einen Schritt weiter. Was, wenn es eine Plattform gibt, wo wir unsere Daten selbst sammeln und sie anderen zur Verfügung stellen, inklusive Apps, die den Wert dieser Informationen steigern. Was kann man aus diesen Daten alles ablesen? Weiterhin geht es um den Konflikt zwischen modernen Anwendungen und den Gefahren, die sich daraus ergeben.

Charaktere

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive unterschiedlichster Charaktere, wobei der Leser den Eindruck gewinnt, auf die Figuren herabzublicken. Dadurch kommt natürlich keine große Nähe auf, dennoch schafft der Autor es, die handelnden Personen nicht blass wirken zu lassen.

Als erstes haben wir die Journalistin Cynthia Bonsant, die durch ihre Arbeit in die ganze Sache hinein geriet, nichts mit der modernen Technik anfangen kann und skeptisch bleibt, vor allem, da ihre Tochter die Dienste und Anwendungen des Internets ausgiebig nutzt.

Dann wäre da Carl Montik, einem der Gründer von Freemee, der Plattform, um die es in der Geschichte geht. Ein Genie, das Probleme mit seiner Umwelt hat und sich beinahe krampfhaft auf Zahlen, Statistiken und Algorhythmen stürzt.

Anthony Heast, Chefredakteur beim Daily und Cynthias Chef, ist schon bei seinem ersten Auftritt nervig und unsympathisch (woran ein Leser merkt, dass die Charaktere nicht blass sind).

Es gibt noch viele weitere Charaktere, wie den undurchsichtigen Erben Pennicott oder Cynthias Tochter Viola, dennoch wirkt die Handlung durch die verschiedenen Erstählstränge nicht undurchsichtig, sondern bietet noch mehr Möglichkeiten, um die Spannung zu steigern.

Handlung

Aus den verschiedenen Perspektiven in ZERO ergeben sich auch mehrere Handlungsstränge. Durch die Bloßstellung des Präsidenten werden natürlich Erben Pennicott und sein Team auf den Plan gerufen, die herauszufinden versuchen, wer hinter Zero steckt und wie sie die Personen verhaften können. Dann natürlich Cyn und ihre Kollegen, die ebenfalls nach dem Hackerkollektiv sucht, um eine große Story zu haben und den „Ruhm“ auszunutzen. Das ist sozusagen ein Strang, der such um die Suche nach ZERO dreht. Strang Nummer 2 hat mit dem Startup Freemmee zu tun. Wir lernen einige Nutzer kennen (unteranderem Viola und ihre Freunde), aber auch einige Vorstandsmitglieder und erfahren so mehr Details über die Hintergründe.

Schon zu Beginn werden diese beiden Stränge immer wieder miteinander verknüft, so dass der Leser langsam ahnt, was gespielt wird. Unwillkürlich schleicht sich bei mir ein unbehagliches Gefühl ein, wenn es um Apps geht, die das Leben der Menschen verbessern können, um Jugendliche, die ständig versuchen, ihre Werte zu verbessern. So war ManRank für mich auch kein allzu großer Schock. Was das Experiment angeht, so sieht die Sache schon ganz anders aus, doch wenn ihr wissen wollt, was mich so aus der Bahn geworfen hat, dann lest dieses Buch!

Schreibstil und Atmosphäre

Gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Sowhl der klare Schreibstil, der komplizierte, technische Anwendungen auch für jemanden wie mich verständlich gemacht hat (was das angeht, bin ich ganz bei Cyn!), als auch die spannungsgeladene Atmosphäre von ZERO haben mich sofort in den Bann gezogen und auch nicht mehr losgelassen. Zwar bin ich über einige Formulierungen gestolpert und habe zwischendurch auch einmal gedacht „Müssen diese Erklärungen jetzt sein?“, doch sofort wurde der Spannungslevel wieder hochgelegt, weshalb der Autor mich sofort wieder an der Angel hatte. Marc Elsbergs Stil passt perfekt zu Genre und Inhalt seines Werkes und alles zusammen ergab für mich ein spannendes Buch, dass den Leser zu fesseln vermag. Meiner Meinung nach ist ZERO zwar ein wenig schwächer als BLACK OUT, doch das ist meckern auf hohem Niveau!

Auflösung

Wie immer bei Büchern aus diesem Genre, habe ich auf das Ende hingefiebert, wollte unbedingt wissen, wie die ganze Sache ausgeht. Eines vorweg: es gibt kein Bilderbuch-Happy-End! Aber mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, außer vielleicht: Ich war zufrieden mit dem Ausgang und das kommt nicht so oft vor, wie ihr vielleicht glaubt.

Fazit

Ich habe mit einigen Charakteren mitgefiebert (Besonders mit Cyn und Zero), andere habe ich verflucht oder die Augen verdreht, sobald sie sich zu Wort gemeldet haben. ZERO brachte mich dazu, mehr über mein Verhalten nachzudenken und darüber, wie leichtfertig ich meine Daten und privaten informationen verschleudere, doch im Grunde habe ich keine Wahl, denn wir müssen mit der Zeit gehen und uns anpassen, denn sonst werden wir abgehängt. Dennoch habe ich ein erschreckendes Szenario erlebt, wodurch mir noch mal so richtig klargeworden ist, dass es gar nicht so paranoid ist, Kamera und Mikro abzukleben oder darauf zu achten, welche Worte ich benutze. Habe ich euch neugierig gemacht? Dann schaut euch doch das Buch näher an!

Eure Jenny

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